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E- wie Ellrich

6. Januar 2015

Eine Enttäuschung erlebt man immer dann, wenn die Realität hinter der Erwartung zurückbleibt.

Mit dem Aufenthalt im „Romantischen Genießer Hotel“ würde ich mit einer Reise sieben Wünsche erfüllen, so wie das Tapfere Schneiderlein- sieben auf einen Streich.

  1. Hatte ich ein Hotel in einem Ort mit E und damit den Start für den nächsten Blogeintrag.
  2. Wäre ich nicht weit von Bad Lauterberg entfernt und Alex und seine Familie könnten zum Abendessen vorbei kommen.
  3. Würde ich die Abendessenrunde um unsere Ellricher Freunde erweitern.
  4. Wäre dieses mir vorschwebende Abendessen meine kleine Geburtstagsfeier.
  5. Käme natürlich auch Gerd mit, so dass wir den Aufenthalt zu zweit genießen könnten.
  6. Würde schon der Geburtstagsmorgen mit einem romantischen Hotelfrühstück beginnen.
  7. Stellte ich mir bei so viel Romantik und Genuss einen perfekten Kurzurlaub vor.

Nun ja, „E“ steht eben auch für Einschränkung.

Der Weg nach Ellrich ist uns wohl bekannt. Man braucht ca. 90 Minuten von Naumburg aus und am Sonntagvormittag ist wenig Verkehr. Das Hotelzimmer hatte ich für zwei Nächte über Hotel.de gebucht. 59,00 € für das Doppelzimmer pro Nacht mit Frühstück ist ein echtes Schnäppchen. Unsere Ellricher Freunde, denen ich bei unserem Kurzbesuch am 2. Advent von den Reiseplänen erzählt hatte, kannten das Haus nicht, obwohl sie schon lange in Ellrich wohnen. Eine 4 Sterne Jugendstilvilla, eingebettet in die sanften Hügel des Südharzes, ja! da wollen wir hin. Auf der Buchungsbestätigung des Hotelreservierungsportals fehlte die Check-in Zeit. Üblich ist ab 14:00 Uhr, üblich ist auch, dass man das Zimmer eher beziehen kann, wenn es frei bzw. fertig hergerichtet ist. Unsere Ankunftszeit gegen 13.15 Uhr lässt mich deshalb auf eine schnelle Abwicklung der Formalitäten und einen zeitigen Platz in der Sauna des Hauses hoffen. Die Villa ist abgelegen, eine sehr verwitterte einspurige Straße führt uns durch einen lichten Wald. Links und rechts versprengte Häuserruinen, alle 300 Meter ein Schild am Baum mit der Aussage: „Sie sind auf dem richtigen Weg“ oder „Wir freuen uns auf Sie- Ihr Romantisches Genießer Hotel“. Die Freude ist (noch) ganz auf unserer Seite. Die wirklich große Villa, immerhin gibt es 38 Zimmer, strahlt uns mit frischen Fassadenfarben an. Eine große beleuchtete Informationstafel vor dem Haupteingang zeigt einladende Bilder vom Inneren des Hause, das Restaurant „Tafelspitz“ lädt zum Verweilen ein, „das wird perfekt“- denke ich. Die Rezeption ist nicht besetzt, unser Klingeln wird jedoch sofort gehört und eine junge Frau begrüßt uns freundlich mit den Worten: „Sie können schon das Anmeldeformular ausfüllen, auf das Zimmer kann ich Sie aber noch nicht lassen, Check-in ist erst ab 15:00 Uhr“. Da haben wir etwas Pech gehabt, die Wartezeit werden wir mit einem Spaziergang überbrücken. „Wollen Sie bei uns am Abend essen“- werden wir gefragt. Ich denke, dass diese Abfrage der Reservierung eines Tisches dient aber nein, dieses 4 Sterne Hotel verfügt offenbar nicht über ein A-la carte Restaurant. Unsere Speisenauswahl müssen wir jetzt sofort treffen, wobei Auswahl eine maßlose Übertreibung ist. Es gibt eine Suppe, zwei Hauptgänge (Fisch oder Fleisch) und ein Dessert. Ich bin fassungslos. All meine romantischen Genussvorstellungen schwinden dahin. „Ich habe für morgen sechs Gäste eingeladen!?“. Vor mir steht eine mit den Schultern zuckende Angestellte. Im Zentrum von Ellrich gäbe es ein gutes Restaurant- na danke oder besser nein danke. Gäbe es nicht meine Selbstverpflichtung, in einem Ort mit „E“ zu übernachten, diese eiskalte Ernüchterung hätte mich sofort abreisen lassen. So wählen wir erst einmal jeder einen Hauptgang ohne Suppe, Gerd entscheidet sich für Schweinesteak, für mich gibt es auf Nachfrage ein vegetarisches Gericht, Grüne Tagliatelle mit Käsesoße. Da wir uns nicht spontan für das Dessert entscheiden wollen und man uns nicht sagen kann, ob man das am Abend noch bestellen kann, bleibt es beim Hauptgang. Außerdem müssen wir uns noch entscheiden, ob wir lieber 18:00 Uhr oder 19:30 Uhr essen wollen. Verdammt, wenn wir hier nicht in der „Pampa“ wären würden wir gar nicht wollen. Die Preise für das Essen erfahren wir nur auf Nachfrage, sie stehen nicht auf der Karte, vielleicht werden diese täglich neu ausgewürfelt, ich weiß wirklich nicht, was das alles mit 4 Sternen DEHOGA Zertifizierung zu tun hat. Diese, meine „Unwissenheit“ formuliere ich auch laut, und ich erfahre, dass die Sterne nichts mit der Küche zu tun haben. Danke für die Aufklärung, dazu kann ich auch beitragen, denn ein Ala carte Restaurant gehört sehr wohl dazu. Auch eine 18 Stunden besetzte Rezeption ist hier nicht gegeben, ab 22 Uhr ist diese geschlossen, der Gast kann sich danach selbst die Tür öffnen und wie wir später feststellen gibt es im Zimmer auch keine bequemen Sitzmöbel. Da hatte man der Zertifizierungskommission wohl ein Potemkin’sches Dorf errichtet.

Wir verlassen erst einmal dieses Haus und fahren in das nicht weit entfernte Bad Sachsa. Mein Ziel ist es, für den nächsten Tag ein Hotel mit Restaurant zu finden. Die zweite Nacht in Ellrich werde ich auf jeden Fall stornieren.

Mit gutbürgerlicher Küche wirbt in Sachsa das Hotel und Restaurant Lindenhof. Wir können einen Tisch und ein Zimmer für den nächsten Tag reservieren. Der Aufenthalt hier war auch nicht ohne Stolpersteine, das ist aber eine andere Geschichte, die ich vielleicht in einer neuen Rubrik erzählen werde. Eins sei nur vorweg genommen, wir haben gut gegessen und hatten einen angenehmen Abend mit Freunden und Familie. (www.lindenhof-badsachsa.de)

Zurück im Jugendstilhaus scheint die Chefin persönlich an der Rezeption zu sein. Meine Stornierung für die zweite Nacht muss ich selbst vornehmen, da ich nicht direkt im Haus gebucht habe. Im Empfangsbereich gibt es einen PC, den ich dafür nutzen kann/muss, auf dem Zimmer hat man keinen Handyempfang, so dass uns das „W-LAN gratis“ nichts nutzt. Ein Fahrstuhl aus den frühen 80ern, noch mit Angabe eines VEB in Berlin, befördert uns in die erste Etage. Was mag wohl früher in diesem Haus gewesen sein? Wir werden es nicht erfahren. Das Zimmer ist nicht sehr groß. Im Eingangsbereich Schrank und Schreibtisch, in der hinteren Hälfte das Doppelbett, um das herum es kaum Bewegungsfreiheit gibt. Die Minibar ist unter den Schreibtisch gestellt und passt nicht zum Ambiente des Zimmers, das insgesamt Standard Hotelmöbel aufweist. Jugendstilelemente sucht man hier vergeblich. Das typische Hotelbadezimmer mit Dusche und hellen Fliesen ist nur mäßig sauber. Unter der Heizung sieht man von der Toilette aus noch den Schmutz der letzten Renovierung ,die Abzugshaube ist ringsherum regelrecht verdreckt und der Kosmetikspiegel ist nur auf einer Seite geputzt, die Rückseite hat über den vielen Fingerabdrücken einen Überzug vom Haarspray vieler Vorgängerinnen. Gerd möchte lesen, während ich der Sauna einen Besuch abstatten werde. Leider gibt es nur zwei normale Stühle, Sessel oder Armlehnstuhl- Fehlanzeige. Ab 17:00 Uhr kann man saunieren. Genau zu dieser Zeit fahre ich mit dem Fahrstuhl in den Keller, denn dort soll ich die Sauna finden. Finden ist hier tatsächlich der richtige Ausdruck, denn als sich der Kellergang in zwei Stränge verzweigt muss ich erst einmal suchen, ein Hinweisschild gibt es nicht. Hinter der Eingangstür erwarte ich eine Wohlfühloase oder nein, eigentlich erwarte ich gar nichts mehr und das ist auch besser so. Ein Raum für die Sachen mit Haken an den Wänden, der nächste Raum beinhaltet alles was man hier meint, dass es für eine Sauna nötig ist. Vier Liegen, die „Saunahütte“ mit vier Sitzplätzen, ein Regal mit Handtüchern und eine Duschkabine. Alles sehr nüchtern, Kühle im Ruheraum, kein Wasser im Saunatrog und ein mit benutzten Handtüchern überlaufender Wäschekorb. Die können nur vom Vortag sein, denn es ist ja eben 17:00 Uhr. Ich möchte nicht darüber philosophieren, wann hier das letzte Mal sauber gemacht wurde. Ich nehme einen Saunagang mit weiteren drei Gästen ein, mit denen ich mich nett unterhalte. Auf einen zweiten Saunagang verzichte ich und ich ziehe es auch vor, in meinem Zimmer zu ruhen. Positiv ist zu bemerken, dass auf meinem Nachttisch ein kleines Fläschchen mit Massageöl steht, als Willkommensgruß und der Einladung, sich durch den Partner massieren zu lassen. Also doch- Genießerhotel! Wir wollen/müssen 18:00 Uhr zum Essen gehen. Als wir das Restaurant betreten, ist knapp die Hälfte der Tische bereits besetzt, die andere Hälfte ist für das Frühstück eingedeckt. Die Zeitvorwahl kann also keine Kapazitätsgründe haben, wie z.B. auf einem Kreuzfahrtschiff. Wir haben einen hübsch eingedeckten Tisch in der hinteren Ecke, so dass ich den gesamten Raum gut auf mich wirken lassen kann. Mit Gemälden und Leuchtern hat man sich hier dem Jugendstilfeeling etwas genähert. Das Licht ist sehr gedämmt, so dass ich kaum die Getränkekarte lesen kann aber das nehme ich gern in Kauf, hier gefällt es mir. Eingedeckt ist für Vorspeise, Suppe, Hauptgang und Dessert. Ein netter Kellner bringt uns die bestellten zwei Bier und als Gruß von der Küche Brot und Kräuteraufstrich. Dafür sollen wir offensichtlich das Vorspeisenbesteck nutzen. Danach kommt die Suppe!? Nein, die haben wir nicht bestellt. Doch, die gehört dazu, erfahren wir von der herbeikommenden Chefin. Wir löffeln brav unsere Suppe aus. Ich tippe auf Kürbiscrem, was aber bei einem Verhältnis von 80% Sahne zu 20% Rest nur schwer mit Sicherheit zu bestimmen ist. Die Suppe schmeckt, mit so viel Sahne geht alles. Gerd hat mit seinen zwei naturgebratenen Kotelettscheiben zu kämpfen, die sind zäh. Das kann ich von meiner Tagliatelle nicht behaupten. Die war gefühlte 15 Minuten zu lange im Wasser und ergibt mit in Sahne eingerührtem Parmesan einen Mehlbrei. Als der Kellner meinen vollen Teller abräumt reagiert er mit einem: “War wohl nicht so“ und geht. Wie gut, dass ich die Suppe hatte. Wir sind nun nicht sehr verwundert, dass wir ungefragt ein Dessert serviert bekommen. Aber auch das ist nicht die hohe Kunst der Patisserie. Mischobst aus der Dose, hübsch angerichtet mit Sahne und Mandelsplittern. Dieses Menü müssen wir verdauen, darauf einen Tequila. Ich will es mir nicht verkneifen, an dieser Stelle einen Auszug aus der Offerte der Travdokette, zu der unser Hotel gehört, einzufügen.

"Kein Genuss ist vorübergehend, denn der Eindruck, den er zurück lässt, ist bleibend! (Goethe) Getreu diesem Motto verwöhnt Sie unser aufmerksames Küchen- und Restaurantteam mit allerlei kulinarischen Genüssen in angenehmer Atmosphäre. Einfach Verweilen und Genießen!“

(http://www.travdo.de/romantisches-geniesser-hotel-suedharz-/)

Wir geben dem Kellner ein Trinkgeld, der hat das Konzept des Hauses und das Essen nicht verbockt und sich gut um uns gekümmert. Dafür erhalten wir gratis noch ein paar Ausflugstipps für den nächsten Tag.

Für den Weg zum Zimmer wählen wir das Treppenhaus. Es ist im Jugendstil erhalten, mit metallenen geschwungenen Handläufen, bunten bemalten Fensterscheiben und einem original Aufzug als Korb hinter einem Metallgitter. Einfach sehr schön. Das Haus hat so viel Potential aber leider kein Konzept.

Ich habe gut geschlafen, für Gerd war die Matratze etwas zu hart aber eine solche Einschätzung ist immer sehr individuell. Das Frühstück erfüllt unsere Ansprüche und unsere Erwartungen. Allerdings hat man sich am Morgen jegliche Tischdekoration gespart. Die Kerzenleuchter vom Abend sind verschwunden, Blumen gibt es nicht. Zwei Tische weiter hat wohl auch ein Gast Geburtstag, da wurde extra eingedeckt, das wurde sicher so bestellt. Den Korb des stillgelegten Jugendstilaufzuges hat man als Teeecke eingerichtet, das gefällt mir. Bei der Bezahlung stehen zwei Menüs a 20,00 € auf der Rechnung aber ich habe Geburtstag und will mich nicht streiten. Unsere kritischen Kommentare auf die Standardfrage, ob wir zufriedenwaren, werden standardmäßig mit dem Hinweis, dass man es weitergeben werde quittiert.

Da fällt mir doch gleich wieder der schon eben erwähnte Klassiker ein: "Kein Genuss ist vorübergehend, denn der Eindruck, den er zurück lässt, ist bleibend!"

Wir reisen ab, erst einmal in Richtung Braunlage, Wurmberg und Schnee. Den habe ich mir zum Geburtstag gewünscht und den habe ich auch bekommen. 

Kontaktdaten:

Romantisches Genießer Hotel Südharz
Carl-von-Ossietzky-Str. 9
99755 Ellrich-Sylzhayn

www.travdo-hotels.de

Wie beurteile ich das … 

Romantische Genießer Hotel Südharz Note (1-6)
Lage, Landschaft, Infrastruktur 3
Freundlichkeit der Mitarbeiter beim Empfang 2
Größe des Zimmers 2
Ausstattung des Zimmers 1
Schlafkomfort 2
Größe des Badezimmers 2
Ausstattung des Badezimmers 2
Sauberkeit Zimmer und Bad 3
Ambiente im Restaurant 2
Auswahl auf der Speisekarte 5
Qualität der Speisen und Getränke 4
Kompetenz der Servicemitarbeiter 2
Wellnessbereich 3
Parkmöglichkeiten 1
Gesamtambiente des Hauses 2
Preis- Leistungsverhältnis 3
Durchschnittsnote: 2,4

Was würde ich unbedingt ändern, wenn das mein Hotel wäre?

  • Im Internet nicht mehr versprechen, als gehalten werden kann. U.U. den Namen ändern, der ist irreführend.
  • Neben den Menüs für Gäste, die mit Halbpension gebucht haben, zumindest eine kleine zusätzliche Speisekarte.
  • Jemanden einstellen, der kochen kann.
  • Auch die Frühstückstische mit Kerzen oder/und Blumen versehen.
  • Die Reinigung der Zimmer kontrollieren.
  • Mindestens ein bequemes Sitzmöbel im Zimmer.
  • Hocker im Bad.
  • Den Saunabereich gemütlicher gestalten (Decken, Musik, Gerüche).
  • Den roten Faden des Jugendstils durch alle Räume ziehen.
  • Und etwas, was man nicht automatisch verlangen kann aber in meinem Hotel würde ich registrieren, wenn sich der Gast anmeldet und sein Geburtsdatum auf dem Meldeschein einträgt, dass er Geburtstag hat.
   
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