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Das Gebäude der Freimaurerloge „Zu den drei Hammern“ in der Naumburger Salzgasse

11. November 2011 

In meinen frühesten Kindheitserinnerungen ist das Umfeld der Naumburger Salzgasse ein großes Trümmerfeld. Bei dem Bombenangriff auf Naumburg am 9. April 1945 wurden bekanntlich Teile der Neustraße und der Salzstraße sowie die Neugasse (heute Gutenberg-Straße) und die Salzgasse schwer zerstört.

Zerstört wurde auch das nur noch alten Naumburgern bekannte „Logengebäude“ an der Ecke Salzgasse/Neustraße. Das Gebäude hatte einst die seit 1749 in Naumburg existierende Freimaurerloge bauen lassen. Die Geschichte dieser Loge „Zu den drei Hammern“ hat Eberhard Kaufmann im Burgenlandjournal vom 24.04.2004 
ausführlich dargelegt.

Am 1. April 1875 erwarb die Loge von den Brüdern Gottlieb und Karl Seyffarth das betreffende Grundstück für 3.800 Taler und ließ das darauf befindliche ca. einhundert Jahre alte Haus abreißen. Am 13. September 1875 erfolgte dann die Grundsteinlegung für den Neubau des als „Bauhütte“, „Tempel“ oder „Loge“ bezeichneten Gebäudes. Bereits ein Jahr später, am 3. September 1876, wurde das Gebäude feierlich eingeweiht. Bilder scheint es von dem Gebäude kaum zu geben, nach Walter Wirth fiel das Grundstück „durch die fensterlose Front zur Neustraße stets ins Auge."

Von Reinhold Kunze konnte man im Naumburger Tageblatt vom 23.01.2010 erfahren, dass sich die Logenbrüder in ihrem „Gesellschaftshaus“ zur Pflege ihrer Riten, aber auch zu geselligen Anlässen trafen. Sie „waren im gesellschaftlichen Leben der Stadt engagiert. Die Loge verfügte über eine umfangreiche Bibliothek, die im Sinne einer Volksbücherei eine Buchausleihe betrieb.“ Die Räumlichkeiten konnten aber auch „für Familienfeiern oder andere gesellschaftliche Anlässe gemietet werden“.

Am 17. August 1935 wurde die Freimaurerei von den Nationalsozialisten verboten. Den Freimaurern wurde vorgeworfen, „Grundübel und Zersetzer des deutschen Volkes“ zu sein. Schon in den Jahren zuvor hatte es gewalttätige Übergriffe auf die Logen gegeben. Die Naumburger Stadtverwaltung nahm sogleich den Zwangsverkauf des Grundstückes in Angriff. Am 28. Januar 1937 wurde seitens der Gemeinderäte die Bereitstellung der hierfür erforderlichen Mittel gutgeheißen.

Über die Umgestaltung und weitere Nutzung des Gebäudes ist aus der Mitteldeutschen Nationalzeitung vom 22. März 1939 unter der Überschrift „Die Naumburger Polizei im neuen Heim, Rundgang durch das Polizeidienstgebäude in der kleinen Salzstraße“ folgendes zu erfahren:

“... Im ehemaligen Logengebäude in der kleinen Salzstraße bot sich ... auf Grund seiner zentralen Lage die Gelegenheit, das neue Polizeirevier einzurichten.“ Es enthält eine „... stattliche Zahl von großen und lichten Räumen ... geräumige Säle ... . Im Erdgeschoß ... liegt der Wachraum ... äußerst geräumig und in lichten Farben gehalten. Von dieser Wache aus ... kommt man in das polizeiliche Untersuchungszimmer. ... Das anschließende Zimmer hat der Marktmeister inne. ... Im Hinterhaus liegen im Erdgeschoß weitere Büroräume... . In diesem Flügel sind auch die Zellen eingebaut worden, in denen inhaftierte Personen ihre vorläufige Aufnahme finden. Ein lichter Treppenaufgang führt vom Erdgeschoß in das obere Stockwerk, wo sich die Dienststellen der Kriminalpolizei befinden. ... " Der "in freundlichhellen Farben gehaltene Saal stellt ... neben dem Schulungssaal den schönsten Raum des neuen Polizeireviers dar. Dieser große Saal, der eine ausreichende Kleinbühne besitzt und mehrere hundert Personen fassen kann, wird voraussichtlich auch für öffentliche Veranstaltungen freigegeben... . Der zweite Saal ist für die Ausbildung der Polizeibeamten eingerichtet worden."

Das Ende ist bekannt. Helge Barth schrieb am 01.04.2005 im Naumburger Tageblatt, dass nach der Bombardierung „aus der Polizeistation in der Salzgasse zahlreiche Todesopfer geborgen“ wurden.

 In den Nachkriegsjahren gab es nach Walter Wirth in der LDZ vom 02.08.1980 verschiedene Pläne für die Neubebauung des Geländes. Dazu gehörten der Bau eines Kulturhauses, eines Sportzentrums mit Hallenbad und eines Kaufhauses. Da nichts davon realisiert werden konnte, wurden die Trümmer entfernt und ein provisorischer Parkplatz hergerichtet. Einige Naumburger werden sich auch noch an den Verkaufscontainer für Waren des täglichen Bedarfs erinnern, der längere Zeit das an der Salzstraße gelegene Ende des Platzes „zierte“. Das Kaufhaus wurde schließlich erst reichlich 50 Jahre nach Kriegsende gebaut und am 27. Februar 1997 eingeweiht. Auf einem Teil des Grundstückes, auf dem ursprünglich das Logengebäude stand, wurde ab 1959/60 ein Wohnhaus errichtet. An das Logengebäude erinnert heute nichts mehr.

Blick vom Wenzelskirchturm auf die Salzgasse Das Citykaufhaus Wohnblock Neustraße 9-11 Haus Salzstraße 38 und Verkaufscontainer um 1985  

   
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