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Nicht nur der Zahn der Zeit nagt am Naumburger Dom …

18. Oktober 2010 

… wie das an alten Gebäuden nun mal so ist, sondern auch ein Specht.

Specht1Hören kann man ihn bei seiner zerstörerischen Tätigkeit nicht, wohl aber bei Tageslicht jederzeit beobachten. Doch halt, bevor sie als wahrer Naumburger zu Felde ziehen, um dem Specht Einhalt zu gebieten und den Dom vor weiterer Zerstörung zu retten, und andere Mitbürger den Naturschutzbund alarmieren, um dem Specht ungestört sein schändliches Tun weiter zu ermöglichen, nehmen Sie bitte zur Kenntnis, er ist aus Stein! Wer es nicht glaubt, dass es ihn gibt, sollte die Abbildungen genau betrachten oder mit dem Fernglas von der Ecke Dompredigergasse aus die Säule im obersten Stockwerk des Nordwestturms des Domes an der nordwestlichen Ecke ansehen.

Was hat aber ein Specht am Naumburger Dom zu suchen? Um eine Erklärung dazu zu finden, muss man wohl in die Naumburger Sagenwelt eintauchen. Eine davon, mit dem Titel „Die Gründung des Naumburger Domes“ könnte Licht in das Dunkel bringen. Hier heißt es nämlich: „Als die Ekkeharde ihre neue Burg auf dem jetzigen Oberlandesgericht erbaut hatten, wollten sie, wie die deutschen Kaiser in Quedlinburg, in nächster Nähe ihrer Residenz ihren Dom bauen. Sie ließen deshalb einen Specht ausfliegen. Der Vogel setzte sich unweit des Schlosses auf eine hohe Tanne an der Stelle, wo jetzt der Dom steht und war nicht wieder zu verscheuchen. So war die Wahl des Bauplatzes entschieden, und bald fing man an, die Grundmauern zum ersten Dom zu errichten.“ (Naumburger Heimatblätter Nr. 5, 1992)

Doch wie kommt nun der steinerne Specht an den Domturm? Wolfgang Kupler, ein Naumburger Heimatforscher, berichtete im Jahr 2000 im 5. Jahrgang des Saale- Unstrut- Jahrbuches über das Ergebnis seiner Recherchen. Seine Nachfragen bei einer Domführung hatten ihm zunächst nur Kopfschütteln eingebracht. Erst bei der Naumburger Dombauhütte wusste man Bescheid: „Bei Restaurierungsarbeiten in den achtziger Jahren hat ein Steinmetz diesen Specht als Zutat angebracht.“ Wahrscheinlich war ihm die Sage von der Rolle eines Spechtes beim Dombau bekannt. Bei jüngeren Arbeiten an diesem Domturm hat man überlegt, ob er wieder beseitigt werden sollte, sich schließlich aber für seine Erhaltung entschieden.

Zum Glück, wie ich meine und Sie vielleicht auch!?

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