Zu Tisch bei unseren nördlichsten Nachbarn
Mit einem „Drei-Gänge-Menü“ durch Skandinavien

25. März 2026

Reisen macht mir auch deshalb so viel Spaß, weil ich immer wieder gern kulinarische Köstlichkeiten dort genieße, wo sie entstanden sind, und sie mit den ursprünglichen, lokalen Zutaten zubereitet werden.

Es schmeckt einfach anders, als wenn man das gleiche Gericht in der Heimat isst. Ich habe dafür meinen Begriff gefunden, das ist der „Urlaubsweineffekt“. Diesen haben Sie vielleicht auch schon einmal erlebt. Sie trinken in Österreich oder Italien oder in welchem Land auch immer einen Wein, der total überzeugt, nehmen ein paar Flaschen davon mit nach Hause und haben hier nicht dieses Geschmackserlebnis. Nun, von Wein soll hier nicht die Rede sein, zumindest nicht vordergründig. Wein, Bier, überhaupt alkoholische Getränke werden in Dänemark, Schweden und Norwegen nicht in dem Maße öffentlich konsumiert, wie es in Deutschland der Fall ist. Das liegt sicherlich auch an den hohen Preisen, denn mit etwa 16 Euro für einen halben Liter Bier muss man schon rechnen, wenn man es in einer Gaststätte trinkt. Mein Drei-Gänge-Menü starte ich in Kopenhagen mit einem Butterbrot als Vorspeise. Diese wörtliche Übersetzung des dänischen „Smörrebröd“ ist jedoch in der tatsächlichen Ausführung eine sehr starke Untertreibung. Eine Scheibe dunkles Roggenbrot wird mit Butter bestrichen und dann sehr reichlich mit verschiedensten Zutaten belegt und kunstvoll dekoriert. Jeder Anbieter hat hier seine eigenen Kreationen und diese häufig mit Fisch oder Krabben aus dem Meer nebenan. Es lohnt sich durchaus, ein wenig im Internet zu schauen, und in Abhängigkeit von der Bewertung gezielt ein Restaurant oder eine Imbissstube aufzusuchen. So gelange ich zu „Ibens“, einer süßen kleinen Gaststube und laut Internet einer „Institution“ der Kopenhagener Smörrebröd Szene. Dem habe ich nichts hinzuzufügen! Zwei bis drei Brote werden für eine Mahlzeit empfohlen. Ich begnüge mich mit zwei davon und bin danach reichlich gesättigt. Die Nummer 1, mit einem Belag von frischen Kartoffelscheiben, geräucherter Käsecreme und hausgemachter Majo, eingelegten roten Zwiebelringen und Röllchen von Frühlingszwiebeln. Das Ganze getoppt mit Radieschen und frischen Kräutern. Da freut sich auch das Auge und jeder Bissen ist ein Genuss. Obwohl, Bissen ist nicht das richtige Wort. Diese Brote isst man ausschließlich mit Messer und Gabel, was bei dem üppigen Belag auch ratsam erscheint. Die Nummer 2 ist nicht weniger köstlich. Scheiben eines Bioeies, darauf von Hand geschälte Garnelen, eine hausgemachte Estragon-Mayo, gewürzt mit mildem Chilipulver, dessen rauchiges Aroma mir trotz der vielfältigen Kräuterdekoration angenehm in die Nase steigt, überzeugt mich vollends. Ein so veredeltes Brot kostet zwischen 10 und 14 Euro. Dazu nimmt man gern einen Filterkaffee (knapp 5 €), der, wie in Skandinavien üblich, gratis nachgefüllt wird. Einige Tage später und rund 600 km weiter nördlich gibt es die traditionellen schwedischen Fleischklößchen „Köttbullar“ als Hauptgang. Bei einem Ikea-Besuch hat sie wohl jeder schon mal probiert. Die Umgebung, die mich aber in dem hübschen Restaurant „Fika und Wein“ umschmeichelt, eine Kombi aus Gewölbekeller und Jugendstilelementen, der wieder überaus aufmerksame Service und die wohltuende Wärme nach einem Stadtbummel durch Stockholm, bei minus 10 Grad, sind weit weg von Ikea-Gefühlen. Die Fleischklößchen gleichen in der Form sehr kleinen Buletten, meine vegetarische Version ist kugelrund und beide tummeln sich in einer braunen Sahnesoße. Die Preiselbeeren werden hier roh gebraten und passen wie der Gurkensalat und der Kartoffelstampf sehr gut dazu. Ein bodenständiges, traditionellen Gericht (21,50 €), das ich veredle mit einem Glas Weißwein von der Solarisrebe, aus einem Weinanbaugebiet südlich von Malmö. Seit Ende des letzten Jahrhunderts wird dort erfolgreich Wein produziert, erfahre ich nebenbei. Das Glas wird am Tisch eingeschenkt. Die Menge nach Gefühl, ca. 120 ml (16 €). Frisch, mit einer leichten Zitrusnote, schmeckt er mir sehr gut. Übrigens: Die Fika, die Bestandteil des Restaurantnamens ist, bezeichnet eine traditionelle, schwedische, etwas längere Kaffeepause. Ein Kaffee und ein kleines süßes Teilchen, gern auch mit Freunden und Kollegen, sind ein fester Bestandteil der schwedischen Kultur. Das süße Teilchen ist die perfekte Überleitung zum Dessert. Ich kann mich nur schwer entscheiden, welches mein Favorit ist. Inzwischen in Norwegen angekommen, esse ich meine erste norwegische Waffel mit Marmelade, einer sauren Sahne und (das ist für mich neu!) Brunost, einem norwegischen Karamellkäse. Seine Süße und sein cremiger Schmelz geben dem Waffelerlebnis eine besondere Note. Dennoch ist meine Empfehlung für den süßen Abschluss eine Zimtschnecke. Was völlig unspektakulär klingt, weil sie heute an der Backwarentheke jedes Supermarktes zu finden ist, kann sich nicht vergleichen mit der Zimtschnecke in Unstad. Etwa 1 600 km von Stockholm aus weiter nördlich gereist und 10 Tage später, an denen Waffeln und Zimtschnecken an verschiedenen Orten probiert wurden, soll es sie laut Gästebewertung geben: die weltbeste Zimtschnecke. Ins Unstad Arctic Surf, mitten auf den Lofoten, kommt man, um beste Surfbedingungen zu haben. Ich sitze hier im gemütlichen Cafè, bestaune die wunderschöne Landschaft durch die großen Panoramafenster, bewundere die Surfer, die sich bei nur wenigen Grad über Null in die Fluten stürzen, und bin umhüllt von diesem Duft. Ein verführerisches Zimtbouquet, die Leichtigkeit von Watte auf der Zunge, süß und noch warm. Bei dieser Zimtschnecke kann man durchaus ins Schwärmen kommen. Dazu gibt es immer eine fruchtige Komponente, heute Apfelsinenscheiben und Sahne, was den wohligen Geschmack unterstreicht. Mit einer dampfenden Tasse Kaffee-mein krönender „Menüabschluss“.

01 Koettbullar in Stockholm 01 Helme
Köttbullar in Stockholm Smörrebröd in Kopenhagen
3 Waffel mit Karamellkaese   4 Weltbeste Zimtschnecke
Waffel mit Karamellkäse   Weltbeste Zimtschnecke

 

 

Hier geht’s zum Smörrebröd:

Ibens Smörrebröd
Store Kongensgade 116A,
Kopenhagen

https://ibenssmoerrebroed.dk

Hier geht’s zu den Köttbullar:

Fika&Wine
Österlanggatan26,
11 31 Stockholm

www.cafefika.se

Hier geht’s zur weltbesten Zimtschnecke:

Unstad Arctic Surf
Unstad-Lofoten

www.unstadarcticsurf.com

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